Er war ein Energiebündel und Macher, bis zuletzt: Im Alter von 88 Jahren stand Wolfgang Woide noch auf dem Tennisplatz – als Trainer. Nun ist der langjährige Präsident des Tennisverbandes MV (TMV) gestorben – am 13. Januar, einen Tag nach seinem 89. Geburtstag in seiner Heimatstadt Friedland.
„Wir sind traurig, aber auch glücklich für Wolfgang, weil er ein gutes Leben hatte und bis zum Schluss seinen geliebten Tennissport ausüben konnte“, sagt Thoralf Kroll, Nachfolger von Woide als Tennisabteilungsleiter beim TSV Friedland.
Der gebürtige Dresdner, der Anfang der 1960er nach dem Lehrer-Studium mit Ehefrau Karin in die mecklenburgische Kleinstadt nahe Neubrandenburg kam, hinterlässt große Fußstapfen im Landestennis. Er war selbst ein guter Tennisspieler, trat für seinen Heimatverein noch im Alter von 56 in der Herren-Oberliga an, wo er 1993 seine letzte Saison spielte. Mit Beginn der 1990er widmete er sich verstärkt dem Ehrenamt.
Von 1998 bis 2011 war Wolfgang Woide Präsident des Tennisverbandes MV, nicht zuvor und nicht danach hatte jemand das Amt länger inne. Auch andere Zahlen seines Engagements beeindrucken. 21 Jahre führte er zum Beispiel den TSV Friedland, den ältesten Sportverein Deutschlands (gegründet 1814), auch das schaffte keiner länger.
„Er war bei uns schon zu Lebzeiten eine Legende“, schwärmt Thoralf Kroll. Diese Einschätzung teilt Dieter Bursche, einer von Woides Nachfolgern als MV-Tennis-Präsident (2018 bis 2024): „Er hatte stets ein offenes Ohr, war angenehm und produktiv in der Zusammenarbeit“, sagt Bursche.
Woide war als Präsident kein Revolutionär, eher Diplomat. Er sorgte aber mit stetiger Arbeit dafür, dass sich die Bedingungen im Tennissport von MV verbesserten, gerade im Bereich der Infrastruktur mit sanierten Plätzen oder neuen Tennishallen.
In seine Amtszeit fällt auch die Erfindung der MV-Talente-Tour im Jahr 2005 durch sein Jugendteam im Präsidium, auf der seitdem viele gute junge Spieler Erfahrungen sammelten – zum Beispiel der heutige Junioren-French-Open-Sieger Niels McDonald oder der Greifswalder Edison Ambarzumjan, der es auch in die Weltrangliste schaffte.
Woide wurde 2011 Ehrenpräsident des TMV. Den Kontakt zur Basis verlor er nie, stand immer weiter als Coach auf dem Tennisplatz, trainierte Jugendliche und Erwachsene. „Er hatte diese zupackend-freundliche Art, er konnte Menschen begeistern“, sagt Thoralf Kroll.
Woide blieb agil, bis ihn vor wenigen Wochen ein Schlaganfall im Polen-Urlaub erwischte. Er konnte noch einmal aus der Klinik nach Hause zurückkehren, in das hübsche, nach der Wende gebaute Eigenheim am Friedländer Ortsrand. Einen Tag nach der Geburtstagsfeier starb er im Kreise seiner Familie. Friedlands Tennis-Legende hinterlässt seine Ehefrau, drei Kinder, sechs Enkel und einen Urenkel. Alexander Loew